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Essayistische Existenz

Die experimentelle Technik ist einer der interessantesten Teile der Lebenskunst. Verschlossene Möglichkeitshorizonte öffnen, um nicht zu stagnieren, habe ich immer geliebt. Wohl auch aus diesem Grund haben Montaignes “Essays“ einen Ehrenplatz in meinem  Bücherregal.

Ein Versuch dient dazu, Erfahrungen zu machen und Wissen aus Erfahrungen zu gewinnen. „Die Essays sind Versuche der Urteilskraft auf dem Weg zur Klugheit“. (Schmid S.80)

Eine essayistische Lebensweise hat viel mit Phantasie, wenig mit Planung zu tun. Schmid zitiert Montaigne: „Ich gehe auf Abwechslung aus, hemmungslos und aufs Geratewohl. Mein Stil geht ebenso vagabundierend umher wie mein Esprit“ (Schmid, S.81). Montaigne setzt den Begriff ‚Phantasie‘ sogar gleich mit dem Begriff des Denkens. Seiner Meinung nach sind sogar unsere Träume mehr wert als unsere Diskurse. Die Kraft, die ihn antreibt, ist die Neugierde.

Ein anderer Denker des Versuchs ist Nietzsche, ein Modell des freien Geistes, der bewusst wählt.

Es gibt zwei Methoden der essayistischen Lebensweise:

  • Vorsätzliche Versuche – Initiator ist das Subjekt selbst
  • Sich versuchen lassen – sich offen zu halten für den Zufall

Nietzsche und Montaigne akzeptieren die Kontingenz als Teil ihrer essayistischen, experimentellen Lebenskunst. Der Lebenskünstler versucht nicht, gegen den Zufall anzukämpfen, sondern rechnet mit ihm, macht ihn sich zunutze.

„Kunst liebt den Zufall, dieser die Kunst“ – diese antike Sentenz sollte auch in der modernen Kunst des Lebens ihren Platz finden.

Schmid, Wilhelm: Schönes Leben? Einführung in die Lebenskunst. Suhrkamp Verlag. Frankfurt am Main.2000.S.79-86

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